Vorträge 2020

Wahnsinn Kreuzfahrt – Die Schattenseiten eines Booms
Wolfgang Meyer-Hentrich, Köln
Dienstag, 4. Februar 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Was früher ein Privileg für Wohlbetuchte war, ist heute ein Massenvergnügen: Kreuzfahrten. Mit günstigen Preisen locken die Reisekonzerne jedes Jahr immer mehr Menschen auf ihre Schiffe. Moderne Kreuzfahrtschiffe sind die Giganten der Meere. Schiffe, die 10 000 Passagiere aufnehmen können, sind bereits Realität. Kreuzfahrten faszinieren heute Menschen aus allen Kontinenten und Nationen. Für das Jahr 2020 rechnet die Kreuzfahrtindustrie weltweit mit über 32 Millionen Passagieren. Dabei erzielen die Reedereien Gewinne, wie sie sonst wohl nur beim Glücksspiel anfallen. Eine Erfolgsgeschichte?
Der Referent hat seit 2001 Dutzende von Kreuzfahrten gemacht und sich im Laufe der Zeit zu einem der schärfsten Kritiker dieser Branche entwickelt.

Deutschland – ein rohstoffarmes Land?
Woher unsere mineralischen Rohstoffe wirklich kommen!
Harald Elsner, Hannover
Dienstag, 3. März 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11

„Deutschland ist arm an Rohstoffen“. Entspricht dieser oft und immer wieder gehörte Satz der Wahrheit? Welche Rohstoffe werden derzeit in Deutschland gewonnen und welche kommen aus dem Ausland? Begibt sich Deutschland durch die Importe zunehmend in eine Abhängigkeit? Können wir nicht einfach – wie früher – alles selber gewinnen? Oder einfach viel mehr recyceln, und schon sind alle Probleme gelöst! Ist Deutschland denn überhaupt ein großer Rohstoff¬nutzer und wer und wozu brauchen wir diese Rohstoffe eigentlich? Und benötigen wir denn eigentlich immer neue Rohstoffabbau¬flächen – die Natur muss endlich Vorrang haben! Fragen über Fragen. Der Vortrag analysiert die ganze Komplexität des Themas und zeigt die Zusammenhänge in der deutschen Rohstoffwirtschaft auf.

Migration als Normalität ? Zum Umgang mit Vielfalt in Leipzig und München
Karin Wiest, Leipzig
Dienstag, 12. Mai 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Im Zuge wachsender internationaler Mobilität sind unter dem Stichwort „postmigrantische Gesellschaft“ in den letzten Jahren verstärkt Fragen nach dem sozialen Zusammenleben in den Fokus der fachpolitischen Debatten gerückt. Wie Vielfalt und Diversität lokal erfahren und ausgehandelt werden, hängt nicht zuletzt von den unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten ab.
Vor diesem Hintergrund beleuchtet der Vortrag am Beispiel der beiden wachsenden Großstädte München und Leipzig, wie einerseits neue urbane Selbstverständlichkeiten, andererseits neue Konfliktlinien im Umgang mit Migration entstanden sind. Der Einbettung in einen ost- bzw. westdeutschen Entwicklungszusammenhang kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Die Hawaii-Inseln – geowissenschaftliche Schatzkammer in den Tropen
Andreas Berkner, Leipzig
Dienstag, 9. Juni 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Hawaii ist die abgelegenste Inselgruppe der Welt. Tropische Wälder und Vulkanwüsten prägen die Kontraste ebenso wie die Möglichkeit, im Winter am gleichen Tag Skifahren und Wellenreiten zu können. Im Mittelpunkt des Vortrags steht der Hotspot-Vulkanismus auf Big Island, wobei der Referent im Juni 2018 die Gelegenheit hatte, den Ausbruch des Kilauea aus unmittelbarer Nähe zu verfolgen. Damit wurde er Augenzeuge einer hier kaum wahrgenommenen Katastrophe, die zwar keine Menschenleben forderte, aber mehrere Siedlungen zerstörte. Im Februar 2020 wird er die betroffenen Landschaften mit 25 km² neuen Lavadecken und einer um bis zu drei Kilometer meerwärts verlagerten Küstenlinie erneut bereisen, um aktuelle Eindrücke zu gewinnen.

Afghanistan – das lange Scheitern eines Staates
Andreas Dittmann, Gießen
Dienstag, 7. Juli 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Angesichts der anfangs, nach dem Fall des Taliban-Regimes, hochgesteckten Erwartungen für die weitere Entwicklung Afghanistans mögen sich heute so manche fragen: „Alles für die Katz?“ Der Vortrag versucht, die Entwicklungen zum heutigen Zustand des Failed State Afghanistan zu analysieren, weist auf die Fehler der internationalen Akteure als Teil einer verfehlten Politik hin, zeigt dabei jedoch auch das auf, was – medial deutlich unterbetont – zu den kleinen Erfolgen gehört. Dazu zählt die Alphabetisierung von Millionen afghanischer Schülerinnen. Der Vortragende forscht seit 2002 in Afghanistan, hat den Nationalatlas des Landes herausgegeben und sich beim akademischen Wiederaufbau der Geowissenschaften an afghanischen Hochschulen engagiert.

Orientieren im Gelände. Topographische Hochgebirgskartographie zwischen Tradition und Zukunft
Karel Kriz, Wien
Dienstag, 21. Juli 2020, 19 Uhr (gemeinsam mit DGfK, Sektion Halle-Leipzig)
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Das Gelände und insbesondere das Gebirge in kartographischen Darstellungsformen abzubilden, spielt in der topographischen Hochgebirgskartographie seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle. Die Ergebnisse aus dieser Beschäftigung umfassen ein breites Spektrum an Produkten, die bis heute die Vielfalt und Schönheit der großmaßstäbigen, topographischen Kartographie des Hochgebirges dokumentieren. Der Vortrag geht zu Beginn kurz auf die vergangenen kartographischen Errungenschaften ein. Danach werden bewährte analoge sowie digitale kartographische Kommunikationsformen der Gegenwart, die zur Orientierung im Gelände dienlich sind, vorgestellt, um schließlich einen spannenden Ausblick in die Zukunft der topographischen Hochgebirgskartographie zu geben.

Jenseits von „Black and White“.
Die USA auf dem Weg in eine multiethnische Gesellschaft
Hans Dieter Laux, Meckenheim
Dienstag, 13. Oktober 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren die USA durch den gesellschaftlichen Gegensatz zwischen einer weißen Mehrheit und einer massiven Diskriminierungen ausgesetzten schwarzen Minderheit geprägt. Zeitgleich mit der Bürgerrechtsbewegung führte die Liberalisierung der Einwanderungsgesetze zu einer tiefgreifenden ethnisch-kulturellen Diversifizierung der amerikanischen Bevölkerung. Der Vortrag gibt Einblicke in die soziale und ökonomische Lage der ethnischen Gruppen, die durch die polarisierende Politik von Donald Trump besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Dabei soll diskutiert werden, welchen Einfluss der multiethnische Charakter der amerikanischen Gesellschaft auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen am 3. November 2020 haben kann.

Energielandschaften und räumliche Konflikte der Energiewende
Matthias Schmidt, Augsburg
Dienstag, 10. November 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Der Energiebedarf Deutschlands ist groß und muss angesichts klimapolitischer Ziele und des Ausstiegs aus der Kernenergie durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Die Auswirkungen auf Raum und Landschaft sind dabei enorm, zudem stehen neben den Ansprüchen von Naturschutz, Erholung und Siedlungen kaum mehr Flächen zur Verfügung, und die Akzeptanz für erneuerbare Energieanlagen ist stark rückläufig. So erlebte die Windenergie – einst als zentraler Baustein einer kohlenstoffarmen Energieversorgung gefeiert – paradoxerweise im Klimaschutzjahr 2019 ihre größte Krise.
Der Vortrag zeigt auf, welchen Beitrag die Geographie bei den Lösungen räumlicher Interessenkonflikte der Energiewende leisten kann.

Die Wolgadeutsche Republik 1918–1941. Entstehung und Ende des ersten deutschen sozialistischen „Staates“
Viktor Krieger, Nürnberg
Dienstag, 1. Dezember 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Das Russische Reich und die UdSSR waren multikulturelle und multinationale Staaten. Eine von vielen Nationalitäten waren die Wolgadeutschen, die nach der bolschewistischen Machtergreifung 1917 das Recht auf territoriale Autonomie erhielten. 1924 wurde die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (ASSRdWD) gegründet. Ihre Liquidierung 1941 markierte die Zäsur zu einer breitangelegten Verfolgung und Diskriminierung aller deutschen Gruppen in der UdSSR. Gestützt auf neueste Forschungsergebnisse und wenig bekannte Dokumente aus Archiven und Privatbesitz, befasst sich der Vortrag ausführlich mit der Geschichte des einst eigenständigen russländischen Volkes, dessen Mitglieder heute größtenteils in der Bunderepublik wohnhaft sind.

FILMVORFÜHRUNG

Das Auge Afrikas. Der Filmpionier Hans Schomburgk
Einführung: Anna Neuhaus, schmidtFilm – Film- und Fernsehproduktion
Dienstag, 24. März 2020, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Der Film erzählt die Geschichte des Filmpioniers, der als erster die überwältigende Schönheit Afrikas mit der Kamera einfing. Die sehr gut erhaltenen Originalfilme Schomburgks entführen in damals noch kaum erforschte Gebiete und werden verwoben mit opulenten Einstellungen aus dem heutigen Afrika, um den rasanten Wandel eines gesamten Kontinents nachzuvollziehen und auf seine Geschichte zu schauen. In vielfältigen Begegnungen reflektieren Menschen in Togo und Südafrika Schomburgks Filme aus heutiger Sicht. An seiner abenteuerlichen Lebensgeschichte zeigt sich, wie komplex die Verbindungen zwischen Europa und Afrika seit der Kolonialzeit sind und wie wenig ein einfaches Bild von Gut und Böse von dieser Zeit gezeichnet werden kann.

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