Vorträge 2017

Der Ätna – gefährlicher Vulkan oder „große Mama“?
Michael Reichmayr und Schüler des Herder-Gymnasiums, Halle (Saale)

Dienstag, 24. Januar 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder, Schüler und
Eltern frei

Der Ätna ist mit seinen fünf Haupt- und fast 300 Nebenkratern ein besonderer Vulkan der Mittelmeerregion. In einer komplizierten tektonischen Störungszone gelegen, kommt es immer wieder zu Erdbeben und Eruptionen. Die letzten eruptiven Episoden im Dezember 2015 und Mai 2016 waren zwar kurz, aber sehr heftig und haben die Morphologie des Ätna deutlich verändert. Schüler einer 12. Klasse des Herder-Gymnasiums in Halle unternahmen eine Exkursion zum Ätna, die von der Geographischen Gesellschaft zu Leipzig gefördert wurde. Dabei lernten sie die landschaftliche Vielfalt des Vulkans in Abhängigkeit von Höhenlage und Alter der Lavaströme kennen. Sehr beeindruckend waren die Besichtigungen einiger Krater, einer Lava Tube und der Alcantara-Schlucht.

Zusätzlicher Vortrag außerhalb des aktuellen Programms:
Deutsche Spuren im Heiligen Land
Haim Goren (Tel-Hai, Israel)

Dienstag, 7. Februar 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal
Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Die „deutschen Spuren“ im Heiligen Land sind seit Pilgerfahrten und Kreuzzügen des Mittelalters nachweisbar. Im 19. Jh. kam es zu einer deutlichen Intensivierung der Beziehungen der deutschen Länder zu Palästina, die ihren Höhepunkt 1898 im prunkvollen Besuch von Kaiser Wilhelm II. in Jerusalem und im Heiligen Land erreichte. Die protestantischen und katholischen Aktivitäten im Missions- und Siedlungswesen, aber auch das intensive Wirken der Württemberger Tempelgesellschaft haben mehr als tausend Gebäude und Bauwerke im Heiligen Land hinterlassen, darunter sieben deutsche Kolonien. Der Vortrag beleuchtet die Entwicklung und Bedeutung der „deutschen“ Aktivitäten anhand vieler, bis heute sichtbarer Spuren und Denkmale.

Leipziger Filmpremiere:
Die Kartenmacher aus Gotha
Dokumentarfilm von Otto Schuurman und Joachim Jäger, Amsterdam

Dienstag, 21. März 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Gemeinsam mit: DGfK, Sektion Halle-Leipzig
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Im Jahr 1785 gründete Justus Perthes einen Verlag, der sich im 19. Jahrhundert zu einem weltweit führenden geographisch-kartographischen Fachverlag entwickelte. Karten aus Gotha halfen die Welt zu entschleiern und prägten unser Bild von der Erde. Der erstmals gezeigte Dokumentarfilm präsentiert Facetten dieser faszinierenden Geschichte. Er ist weit mehr als ein Lehrstück aus der Kartographie­geschichte und schlägt den Bogen in die 1990er-Jahre, als Tradition nicht mehr viel zählte. Vom schwierigen Übergang in die Marktwirtschaft über die lähmende Zeit bis zur Rückübereignung bis zum anschließenden Verkauf des Verlags: Der Film fängt diese Zeit in Gotha zwischen Hoffen und Bangen in beeindruckenden Bildern und Aussagen von Zeitzeugen ein.

Silicon Valley – Vorsprung durch Innovation
Matthias Kiese, Bochum

Dienstag, 4. April 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal
Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

„Silicon Valley is probably the only place on earth not trying to copy Silicon Valley.“ Dieses Bonmot des Ethernet-Erfinders Robert Metcalfe beschreibt die weltweite Vorbildfunktion der kalifornischen Hightech-Region für wissens- und innovationsbasierte Wirtschaftsentwicklung. Der Vortrag zeichnet die Entstehung und Entwicklung des Silicon Valley nach, das sich in einem permanenten Strukturwandel nach Krisen immer wieder neu erfinden und dabei Technologien hervorbringen konnte, die die Welt verändert haben.
Welche Faktoren waren dafür verantwortlich, wie lässt sich das Silicon-Valley-Modell bewerten? Warum lässt sich das Silicon Valley nicht klonen, und was können wir in Deutschland dennoch von dieser Erfolgsstory lernen?

Erstaunliche Dynamiken einer Großwohnsiedlung – 35 Jahre Intervallstudie Leipzig-Grünau
Sigrun Kabisch, Leipzig

Dienstag, 25. April 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal
Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Im Vortrag werden Ergebnisse der international einmaligen „Intervallstudie Grünau“, einer seit 35 Jahren laufenden soziologischen Langzeitstudie zur Beobachtung der Entwicklung der Großwohnsiedlung Leipzig-Grünau vorgestellt und in den gesamtstädtischen Zusammenhang eingeordnet. Die mittlerweile zehnte Erhebung wurde 2015 durchgeführt. Im Mittelpunkt der Analyse steht die Innenperspektive der Bewohner und nicht der flüchtige Blick des kurzzeitigen Betrachters von außen. Diese Perspektive wird auf die Ortsteile heruntergebrochen, um vergleichend kleinteilige Unterschiede differenziert aufzuzeigen. Am Beispiel von Lausen-Grünau und Grünau-Mitte werden sozial­räumliche Ausprägungen unterhalb der Ortsteil­ebene belegt.

Bedrohung „Islamischer Staat“ – Ursachen, Entwicklung und globale Perspektiven
Günter Meyer, Mainz

Dienstag, 23. Mai 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal
Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Als „bespiellose Bedrohung für die gesamte Welt“ bezeichnen die Vereinten Nationen den IS. Schwere militärische Rückschläge im Kerngebiet der Terror­organisation signalisieren ein Ende des Kalifats-Staates. Doch gleichzeitig wächst die Zahl der Anhänger und der terroristischen Anschläge weltweit. Isla­mistische Terrororganisationen in 34 Ländern haben sich dem IS bereits angeschlossen. Ein Ende dieser Expansion ist durch „einsame Wölfe“ gerade auch in Deutschland nicht absehbar. Wie konnte sich eine solche Bewegung etablieren? Welche Rolle spielen dabei der saudische Wahhabismus und die Hegemonial­politik der USA? Hintergründe des IS, der aktuelle Stand und die Rahmenbedingungen für weitere drohende Entwicklungen werden im Vortrag analysiert.

Kein Ende in Sicht: Der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan
Marcus Nüsser, Heidelberg

Dienstag, 13. Juni 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal
Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Seit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans 1947 steht Kaschmir im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit. Mehrere Kriege und eine ungelöste Konfliktkonstellation territorialer Zugehörigkeit lassen die geostrategisch wichtige Region nicht zur Ruhe kommen. Idealisierte Vorstellungen von einem Shangri La, die bereits während der Kolonialzeit bestehende Interessengegensätze und ungleiche Machtverhältnisse zwischen den Akteuren verdeckten, sind einem Bild von Kaschmir als einer Arena gewalttätiger Konflikte gewichen. Im Vortrag wird der historische Verlauf des Konflikts nachgezeichnet und der Frage nachgegangen, warum dieser Konflikt trotz zwischenzeitlicher Hoffnung auf Entspannung auch nach nunmehr 70 Jahren so weit von einer Lösung entfernt scheint.

Flüchtlinge auf dem Mittelmeer im Spannungsfeld von Seenotrettung und Grenzkontrollen
Silja Klepp, Bremen

Dienstag, 17. Oktober 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal
Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

In den letzten Jahren hat sich die Lage der Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer weiter zugespitzt. Nach der Einschränkung der legalen Zugangswege zur Euro­päischen Union wurde die polizeiliche und militärische Kontrolle der südlichen Seegrenzen und Migrationsrouten stark ausgebaut. Mit der Grenzschutzagentur Frontex gibt es einen EU-Akteur, der die Anlandung der Bootsmigranten auf EU-Territorium verhindern soll, was in fundamentalem Konflikt mit geltendem Flüchtlingsrecht und dem Recht auf Zugang zu einem Asylverfahren steht. Im Bereich der Seenotrettung hat sich das Mandat von Frontex jedoch unter dem Druck der Zivilgesellschaft in den letzten Jahren verschoben. Der Vortrag basiert auf Feldforschungen in Libyen, Süditalien und Malta.

Karstlandschaft versus wirtschaftender Mensch. Beispiele aus dem Mediterrangebiet und der Schwäbischen Alb
Karl-Heinz Pfeffer, Tübingen

Dienstag, 7. November 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal
Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Karstlandschaften sind geprägt von anstehenden Kalken, einer unterirdischen Entwässerung mit Höhlen und spezifischen Oberflächenformen, die in mediterranen Regionen und auch auf der Schwäbischen Alb als Hohlformen in unterschiedlichen Größen vorkommen. Die die Landschaften bestimmenden geoökologischen Parameter werden dargestellt.
Seit prähistorischen Zeiten kommt es je nach den jeweiligen Nutzungsansprüchen zu Interaktionen zwischen dem wirtschaftenden Mensch und den Karstregionen. Diese verändern das Nutzungspotenzial und das Landschaftsbild. An Beispielen aus dem Mittelmeerraum und der Schwäbischen Alb werden Entwicklungen in Zeit und Raum dargestellt und Nutzungspotenziale aufgezeigt.

Till Eulenspiegel mal anders – Schelmenfiguren in den Geschichten der nordamerikanischen Plains-Indianer
Tobias Enge, Leipzig

Dienstag, 28. November 2017, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Gemeinsam mit dem Freundeskreis des
GRASSI Museums für Völkerkunde
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Das Erzählen von Geschichten ist für viele Kulturen der Welt von wichtiger Bedeutung. Oft erzählen die mündlich überlieferten Märchen und Legenden von früheren Welten und Zeiten, in denen die Tiere noch sprechen konnten und die Menschen kein übergeordneter Teil der Natur waren. In den Geschichten vieler Indianervölker Nordamerikas erscheinen Figuren wie Coyote, Iktome, Krähe oder Fuchs. Ihre Eigenschaften und Erscheinungsweisen sind nicht einheitlich definiert, ihre Charaktere decken ein breites Spektrum zwischen Schöpfermythos und Schelmengestalt ab. Im Vortrag werden drei Vertreter der sogenannten Tricksterfiguren in traditionellen Geschichten aus den klassischen Prärien des amerikanischen Westens genauer beleuchtet.

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