Kuba im Krisenmodus
Matthias Schmidt
Dienstag, 20. Januar 2026, 18 Uhr
GRASSI-Museum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei
Kuba befindet sich seit Jahrzehnten im Krisenmodus. Wiederkehrende Naturkatastrophen, eine anhaltende Energieknappheit, das US-Embargo oder der Kollaps der Sowjetunion setzten dem Land schwer zu. Trotzdem konnte Kuba bemerkenswerte Erfolge in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Armutsbekämpfung erzielen und entwickelte sich zu einer beliebten Tourismusdestination. Der abrupte Einbruch des Tourismusbooms infolge der Coronakrise führte jedoch zu folgenschweren ökonomischen Problemen, die zusammen mit den aktuellen geopolitischen Unwägbarkeiten erneut die Wandlungs- und Überlebensfähigkeit des karibischen Sozialismus herausfordern.
Prof. Dr. Matthias Schmidt ist Inhaber des Lehrstuhls für Humangeographie und Transformationsforschung der Universität Augsburg. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich Politische Ökologie und Mensch-Umwelt-Verhältnisse im Globalen Süden.
Zwölf Herausforderungen – Georgien an einem Scheideweg seiner Entwicklung
Jörg Stadelbauer
Dienstag, 10. Februar 2026, 18 Uhr
GRASSI-Museum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei
Georgien hatte nach dem Zerfall der Sowjetunion eine wechselvolle Entwicklung genommen, die in den beiden ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts zwar einen gewissen Wirtschaftsaufschwung, aber noch keine dauerhafte innere Konsolidierung brachte. Das Land steht heute vor großen Herausforderungen ganz unterschiedlicher Art, die aus geographischer Sicht beleuchtet werden sollen. Dabei will der Vortrag politische Fragen in einen weiteren Zusammenhang stellen und mit Aspekten von Umwelt, Bevölkerung und Wirtschaft verknüpfen.
Prof. Dr. Jörg Stadelbauer vertrat bis zum Eintritt in den Ruhestand das Fach Kulturgeographie und Landeskunde an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und forscht weiterhin zu geographischen Fragen der Nachfolgestaaten der Sowjetunion und zur südwestdeutschen Landeskunde.
Strategieentwicklung und Handlungsmöglichkeiten von Kommunen im Wandel: Aue-Bad Schlema als Beispiel
Ninja Steinbach-Hüther und Thomas Beukert
Dienstag, 24. März 2026, 18 Uhr
Volkshochschule Leipzig, Aula, Löhrstraße 3–7
Eintritt frei
Die Stadt Aue-Bad Schlema im Erzgebirge blickt zurück auf eine lange Geschichte in Bergbau, Industrie und Tourismus. Aktuell haben demographische, sozioökonomische und politische Veränderungen deutliche Auswirkungen auf die Stadtentwicklung, den Haushalt sowie die Perspektiven der Stadt und ihrer Bürgerschaft. Im Projekt Stadtentwicklung bis 2030 – Strategiebildung in Mittelstädten begleiten und unterstützen wir den Prozess der Strategieentwicklung, ermitteln die mittelfristigen finanziellen Handlungsspielräume und erforschen mit Blick auf die politisch-kulturelle Lage und im engen Austausch mit der Bürgerschaft, wie diese Spielräume zukünftig genutzt werden können. Der Vortrag stellt hierzu erste Ergebnisse vor.
Thomas Beukert (KOWID, Leipzig) und Dr. Ninja Steinbach-Hüther (Universität Leipzig) sind beide im Projektverbund Stadtentwicklung bis 2030 der T!Raum-Initiative Handlungskompetenz der Kommunen stärken tätig.
Wasserwirtschaft im Leipziger Neuseenland zwischen Kohleausstieg und Wiedernutzbarmachung
Andreas Berkner
Dienstag, 14. April 2026, 18 Uhr
Volkshochschule Leipzig, Aula, Löhrstraße 3–7
Eintritt frei
Seit über 100 Jahren wird der Wasserhaushalt in Mitteldeutschland durch die Braunkohlenindustrie geprägt. Großtagebaue bedingten weiträumige Grundwasserabsenkungen. Abwassereinleitungen führten zu massiven Gewässerbelastungen. Die Wasserwirtschaft im Bereich der „Mitteldeutschen Trockeninsel“ war immer hochintensiv. Seit 1990 wurden die weitaus meisten Tagebaue im Revier stillgelegt. Daraus entstand eine neue touristische Destination mit Tagebauseen und attraktiven Freizeitangeboten. Dennoch weist der Weg zu einem „weitgehend nachsorgefreien Endzustand“ noch viele offene Felder auf, in denen es gilt, Lösungen zu finden. Kommentiert werden Megatrends zur Entwicklung für einen bis ca. 2050 reichenden Zeithorizont.
Prof. Dr. habil. Andreas Berkner war über 25 Jahre beim Regionalen Planungsverband Leipzig-Westsachsen tätig. Er befasst sich u. a. mit Wasserhaushaltsfragen zum Braunkohlenbergbau. 2025 wurde er in den Beirat für Raumentwicklung beim BMWSB berufen
Bleiben oder Gehen? Wenn der Klimawandel das Leben verändert
Kathleen Hermans
Dienstag, 19. Mai 2026, 18 Uhr
Volkshochschule Leipzig, Aula, Löhrstraße 3–7
Eintritt frei
Umweltveränderungen prägen das Leben vieler Menschen – jeder dritte Mensch weltweit gilt als besonders verwundbar. Werden Böden unfruchtbar oder bleiben Niederschläge aus, sind bäuerliche Existenzen bedroht; jährlich werden mindestens 20 Millionen Menschen durch Extremwetter innerhalb ihrer Länder vertrieben. Abwanderung kann eine Überlebensstrategie sein, ist jedoch kein Automatismus: Nicht alle Menschen wollen gehen, und manche möchten es, können es aber nicht. Finanzielle Mittel, Netzwerke, Ortsverbundenheit und Institutionen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Der Vortrag ordnet ein: Wann wandern Menschen tatsächlich ab? Wie viele Menschen kommen zu uns? Und warum ist der Begriff „Klimaflüchtling“ irreführend?
Dr. Kathleen Hermans ist am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) in Halle (Saale) tätig. Sie erforscht, besonders in Zentralasien/Subsahara-Afrika, Zusammen-hänge von Umweltveränderungen und Migrationsentscheidungen.
Indien: auf dem Weg zur Weltmacht?
Christian Wagner
Dienstag, 23. Juni 2026, 18 Uhr
GRASSI-Museum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei
Seit der Unabhängigkeit 1947 strebt Indien eine größere internationale Rolle an. Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts hat Indien seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu den USA und China ausgebaut und gilt in Brüssel und Berlin als wichtiger Partner im Indo-Pazifik. Das bevölkerungsreichste Land der Erde ist zudem ein zentraler Akteur in internationalen Klima- und Umweltverhandlungen. Mit einem Wirtschaftswachstum von sechs bis sieben Prozent ist Indien die schnellst wachsende Demokratie. Allerdings profitiert ein Großteil der Bevölkerung bislang noch nicht von den wirtschaftlichen Erfolgen. So liegt Indien im Index der menschlichen Entwicklung nur auf den hinteren Plätzen.
Dr. habil. Christian Wagner ist Senior Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Seine Forschungsgebiete sind innen- und außenpolitischen Entwicklungen in Indien und Südasien.
Biogeographische Forschungen in Zeiten des Klima- und Landnutzungswandels: Flora, Fauna und ihre Ökosysteme
Stefan Klotz
Dienstag, 25. August 2026, 18 Uhr
GRASSI-Museum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei
Biogeographie beschäftigt sich primär mit Vorkommen und Verbreitung von Organismen im Raum. Zentrale Themen sind u. a. Veränderungen der Verbreitungsmuster im Laufe der Erdgeschichte, Biodiversitätsmuster der Gegenwart und Szenarien zukünftiger Entwicklungen im Rahmen des Klima- und Landnutzungswandels. Molekularbiologie, Phylogenetik, Paläontologie und vor allem Statistik und Modellierung eröffnen neue Möglichkeiten der Erklärung aktueller biogeographischer Muster sowie die Entwicklung von Szenarien für zu erwartende Veränderungen der Artverbreitung und der Ökosysteme generell. Mit Blick auf Mitteleuropa wird im Vortrag speziell nach den Ökosystemen unserer Zukunft gefragt.
Dr. Stefan Klotz hat am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ das Department Biozönoseforschung geleitet. Er übt Beiratsfunktionen in der Buchreihe Landschaften in Deutschland sowie dem Institute for Environmental Futures (Universität Leicester) aus.
Die Erforschung der Antarktis – Von der Terra australis incognita bis zur heutigen modernen Polarforschung
Mirko Scheinert
Dienstag, 15. September 2026, 18 Uhr
GRASSI-Museum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei
Die Antarktis war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts im wahrsten Sinne des Wortes ein weißer Fleck auf der Landkarte: Zunächst war die Erforschung der Antarktis mit wirtschaftlicher und politischer Motivation verbunden, Mitte des 19. Jahrhunderts rückte verstärkt die Beantwortung wissenschaftlicher Fragen in den Vordergrund, vor allem in Bezug auf Meteorologie, Astronomie und Erdmagnetismus. Der Vortrag spannt einen Bogen von diesen Anfängen internationaler Zusammenarbeit bei der Erforschung der Antarktis bis zur heutigen international vernetzten Polarforschung. Dabei begeben wir uns auch auf die Spuren der ersten Deutschen Südpolarexpedition, die von 1901 bis 1903 unter der Leitung von Erich von Drygalski realisiert wurde.
Dr. Mirko Scheinert ist an der Professur für Geodätische Erdsystemforschung der TU Dresden tätig. Er nahm an mehreren Antarktisexpeditionen teil und ist im Nationalkomitee für Polarforschung so-wie im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung e. V.
50 Jahre Leipzig-Grünau – die wechselvolle Geschichte einer Großsiedlung aus der Sicht ihrer Bewohnerschaft
Sigrun Kabisch
Dienstag, 13. Oktober 2026, 18 Uhr
Volkshochschule Leipzig, Aula, Löhrstraße 3–7
Eintritt frei
Am 1. Juni 2026 begeht die Großsiedlung Leipzig-Grünau den 50. Jahrestag ihrer Grundsteinlegung. Im größten Plattenbaugebiet Leipzigs und Sachsens wohnen ca. 47.800 Menschen. Die Wohngebäude sind in großzügige Grünflächen eingebettet, und der Stadtteil ist mit um-fangreichen Infrastrukturangeboten ausgestattet. Dennoch changiert die Wahrnehmung des Stadtteils zwischen grüner Oase und Problem-gebiet. Im Verlauf seiner Existenz sah sich Grünau umfangreichen und tiefgehenden Veränderungen ausgesetzt – von massivem Einwohnerverlust und nachfolgendem Wohnungsabriss bis hin zu neuem Einwohnerwachstum und Neubau. Diese wechselvolle Geschichte wird aus der Sicht der Bewohnerschaft beschrieben. Dazu dienen Untersuchungsergebnisse einer einzigartigen Langzeitstudie.
Prof. Dr. Sigrun Kabisch leitete am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung–UFZ bis März 2022 das Department Stadt- und Umweltsoziologie. Seit 2021 fungiert sie in zweiter Wahlperiode als Vorsitzende der Geographischen Gesellschaft zu Leipzig.
Territorialgeschichte Polens seit der frühen Neuzeit. Perspektiven einer kritischen Karten-Analyse
Christian Lotz
Dienstag, 17. November 2026, 18 Uhr
GRASSI-Museum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei
Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kartographie, Sektion Halle-Leipzig
Polen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Dies zeigt sich auch in vielfachen Grenzverschiebungen von der polnischen-litauischen Union der frühen Neuzeit über die Teilungen Polens am Ende des 18. Jahrhunderts bis hin zu den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert. Der Vortrag verdeutlicht, welche Rolle kartografische Repräsentationen bei der Bildung und Zerstörung polnischer Staatlichkeit spielten, und erörtert zugleich die Reichweiten und Grenzen einer kritischen Karten-Analyse.
PD Dr. phil Christian Lotz leitet die Kartensammlung des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropa-Forschung in Marburg und forscht an der Justus-Liebig-Universität zur Neueren und Neusten Geschichte Mittel- und Osteuropas.