Vorträge 2019

Shopping im 21. Jahrhundert: online oder offline?

Cordula Neiberger, Aachen

Dienstag, 12. Februar 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

“Handel ist Wandel” gilt seit vielen Jahrzehnten als geflügeltes Wort der Branche. Wirtschaftswunder und wachsender Wohlstand haben in der Vergangenheit sowohl zu einem veränderten Verbraucherverhalten als auch zu neuen Angebotsformen des Handels geführt. Die Berufstätigkeit der Frau und der demografische Wandel hatten daran ebenfalls ihren Anteil.
Heute scheint jedoch die Digitalisierung und mit ihr die Möglichkeiten des Onlineeinkaufs die Handelslandschaft zu revolutionieren. Der Vortrag setzt sich aus wirtschaftsgeografischer Sicht mit diesem Phänomen auseinander: Er beleuchtet die Veränderungen auf Konsumentenseite wie auch die Strategien der Handelsseite und leitet daraus mögliche Konsequenzen für unsere Städte ab.

Feurige Inselstaaten im Südpazifik: Vanuatu, Salomonen, Papua …

Heike Fries, Aachen und Arne Kertelhein, Hamburg

Dienstag, 19. März 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Am Randbereich der Pazifischen Platte entstanden durch explosiven Vulkanismus zahllose kleine Inseln, die von einer üppigen Vegetation bedeckt sind. Die vor Jahrtausenden eingewanderten melanesischen Völker betrieben einst Ackerbau und Fischfang und entwickelten eine Vielzahl lokaler Sprachen und Gebräuche.
Entdecker wie James Cook oder Antoine de Bougainville besuchten die Inseln im 18. Jahrhundert, die später als “Neue Hebriden” oder “Kaiser-Wilhelm-Land” zu Kolonien erklärt wurden und erst im späten 20. Jahrhundert größtenteils ihre Unabhängigkeit erlangten.
Der Vortrag entführt die Besucher in eine faszinierende Natur und zu den Nachfahren von Kopfjägern und Kannibalen, die heute zwischen Traditionen und Tourismus leben

Karten für das 21. Jahrhundert – über Grenzen hinweg?

Sebastian Haupt, Greifswald

Dienstag, 9. April 2019, 19 Uhr (gemeinsam mit DGfK, Sektion Halle-Leipzig) Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Karten finden sich überall – in Nachrichtensendungen genauso wie in Tageszeitungen oder Schulbüchern. Doch nicht immer sind sie verlässlich, manche sind sogar irreführend. Grundsätzliche Fragen stellen sich, zum Beispiel: Wie bildet man die Globalisierung angemessen ab? Welche alten und neuen Grenzen definieren moderne Karten? Sind Staatsgrenzen überhaupt noch wichtig?
Der Referent beleuchtet, was hinter den Karten steckt: Wie prägen sie unsere Wahrnehmung von der Welt? Welche Rolle spielen Grenzen – und wo verlaufen die Grenzen von Berichterstattung? Für das Magazin KATAPULT haben diese Fragen eine herausragende Bedeutung. KATAPULT übersetzt sozialwissenschaftliche Studien in verständliche Texte und illustriert sie mit Karten und Grafiken.

Ein Land – zwei Systeme? Anspruch und Realitäten zwischen China, Taiwan, Hongkong und Macao

Andreas Berkner, Leipzig

Dienstag, 7. Mai 2019, 19 Uhr (gemeinsam mit Deutsch-Chinesischer Gesellschaft) Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Auch wenn sich die Volksrepublik China seit ihrer Gründung 1949 zur Weltmacht entwickelt hat, ist die nationale Einheit noch nicht vollendet. Während Hongkong 1997 und Macao 1999 als Sonderverwaltungszonen in das “Mutterland” integriert wurden, liegt eine vergleichbare Lösung mit Taiwan in weiter Ferne. Zwar hat sich beiderseits der Taiwanstraße ein noch vor 20 Jahren kaum vorstellbarer Pragmatismus entwickelt, doch bestehen nach wie vor vielfältige Hindernisse und Befindlichkeiten.
Der Referent war seit 1989 mehrfach an den Nahtstellen zwischen China, Taiwan, Hongkong und Macao unterwegs und kann ein authentisches Bild von Fortschritten und Hemmnissen in einem geopolitisch hochsensiblen Raum nachzeichnen.

Mount Kenya und Kilimandscharo: Gletscherveränderungen in den Hochgebirgen Afrikas

Marcus Nüsser, Heidelberg

Dienstag, 21. Mai 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Durch eine lange Forschungsgeschichte an diesen beiden tropischen Gebirgsmassiven liegen viele historische Bilder und Karten vor. Insbesondere das Leibniz-Institut für Länderkunde besitzt zahlreiche Expeditionsaufnahmen vom Mount Kenya aus dem Jahr 1934, die der Referent mit standortgenauen Wiederholungsaufnahmen aus den letzten Jahren vergleichen konnte.
Noch älter sind die Fotodokumente des Leipziger Forschungsreisenden Hans Meyer vom Kilimandscharo. Mit diesem Material kann insbesondere der dramatische Gletscherrückgang in den ostafrikanischen Tropen detailliert erfasst werden. Der Vortrag stellt die aktuellen Forschungsarbeiten vor und bindet sie in den disziplinhistorischen Zusammenhang der Hochgebirgsforschung ein.

Jemen – Von Arabia Felix in die humanitäre Katastrophe

Günter Meyer, Mainz

Dienstag, 4. Juni 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5–11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Die Beziehungen des einstmals “Glücklichen Arabien” zum erdölreichen Nachbarn Saudi-Arabien bescherten dem Jemen zunächst einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung durch die Rücküberweisungen von Millionen jemenitischer Arbeitsmigranten. Deren Ausweisung, die zunehmende politische und islamistische Einflussnahme durch die saudische Regierung und schließlich der im Jemen ausgetragene Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran haben das Land in eine beispiellose humanitäre Katastrophe gestürzt, die Tausende von Opfern gekostet hat. IS und Al-Kaida expandieren kräftig, während die Einheit des Landes zerbricht.
Was sind die Hintergründe dieser Entwicklung? Wer trägt dafür die Verantwortung? Gibt es Chancen für ein Ende dieses Elends?

Rein in die Stadt oder raus aufs Land? Aktuelle Muster der
Bevölkerungsentwicklung in der Region Leipzig/Halle

Tim Leibert, Leipzig

Dienstag, 2. Juli 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Leipzig ist eine der am schnellsten und stärksten wachsenden Städte in der Bundesrepublik. Gegen den allgemeinen Trend sinkt das Durchschnittsalter der Bevölkerung durch den Zuzug von jungen Erwachsenen. Ganz anders stellt sich die Entwicklung in den ländlichen Räumen Mitteldeutschlands dar. Hier dominieren Alterung und Schrumpfung.
Der Vortrag geht der Frage nach, welche kleinräumigen demografischen Trends in Mitteldeutschland derzeit zu beobachten sind. Wer zieht wohin? Welche Gemeinden können von Zuwanderung profitieren, welche nicht? Welche Rolle spielen Bevölkerungs- und Altersstrukturen? Eine spannende Frage bleibt, ob sich das starke Wachstum von „Hypezig“ und der übrigen ostdeutschen „Boomstädte“ fortsetzen wird.

Gentrifizierung – aktuelle Befunde über ein komplexes
Phänomen der Stadtentwicklung

Jan Glatter, Dresden

Dienstag, 15. Oktober 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Unter „Gentrifizierung“ versteht man die immobilienwirtschaftliche Wiederaufwertung von Wohnquartieren, die mit einem Wandel der Sozialstrukturen und unterschiedlichen Formen der Verdrängung verbunden ist. Das in den 1960er-Jahren in der angelsächsischen Stadtforschung entwickelte Konzept hat in vielen deutschen Städten eine zunehmende Relevanz erlangt, die vor allem aus einer sehr dynamischen Entwicklung der Wohnungsmärkte resultiert.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der praktischen Relevanz, den Erscheinungsformen und Folgen der Gentrifizierung. Im Vordergrund stehen die Differenzen zwischen unterschiedlichen Perspektiven einer wissenschaftlichen, politischen und massenmedialen Beobachtung sowie die Sichtweise von Betroffenen.

In Zukunft nachhaltig mobil? Perspektiven einer ökonomisch, ökologisch und sozial verträglichen Mobilität

Martin Lanzendorf, Frankfurt am Main

Dienstag, 12. November 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Nicht erst der Dieselskandal zeigt, dass das Verkehrswachstum eine Hauptursache für Beeinträchtigungen unserer Lebensqualität ist. Trotz des Wissens um die Zusammenhänge und bekannter Handlungsoptionen zur Förderung einer umwelt- und sozialverträglicheren Verkehrsentwicklung bleibt die Umsetzung solcher Maßnahmen weit hinter den Notwendigkeiten zurück. Statt eine Verkehrswende anzustoßen, scheint die Politik eher die Automobillobby zu fürchten. So verharrt sie lieber im alten automobilen Leitbild und sucht nach technologischen Wunderlösungen (Elektromobilität, autonomes Fahren), die vorrangig industriepolitische Ziele erreichen sollen.
Der Vortrag hinterfragt kritisch die Verkehrspolitik und zeigt Optionen für ein Umdenken auf.

Alexander von Humboldt: Vordenker der Globalisierung

Ottmar Ette, Potsdam

Dienstag, 3. Dezember 2019, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Der 250. Geburtstag bietet Gelegenheit, auf das Leben und Schaffen des Universalgelehrten Alexander von Humboldt (1769–1859) zu blicken. Wie kaum ein anderer Wissenschaftler seiner Zeit fasziniert Humboldt auch heute noch durch seinen ungeheuren Ideenreichtum und die Fähigkeit, die unterschiedlichsten Phänomene miteinander in Beziehung zu setzen.
Der Referent beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem Vordenker für das 21. Jahrhundert. Was trieb diesen Mann an, der als der erste Globalisierungstheoretiker bezeichnet werden darf? Aus Humboldts Zusammendenken von Natur- und Kulturwissenschaften zeichnen sich für die Zukunft neue Denkmöglichkeiten einer Lebenswissenschaft ab, die den Ort des Menschen im Kosmos überdenkt.

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