Vorträge 2018

Ernst Vollbehr: Maler zwischen Landschaftsidyll und Weltkriegshölle
Konrad Schuberth, Halle/Saale
Dienstag, 16. Januar 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Biographie des Malers Ernst Vollbehr (1876 – 1960). Seine Landschaftsbilder aus aller Welt sind vielen Geographen aus dem „Handbuch der geographischen Wissenschaft“ bekannt. Doch Vollbehr war nicht nur Weltreisender und Landschaftsmaler. Sein Leben und Werk spiegelt auch deutsche Zeit­geschichte wider. Vor 1914 trat er vor allem als Kolonialmaler in Erscheinung. Während des Ersten Weltkriegs wurde er durch seine Bilder von der Westfront bekannt. Nach 1933 stellte er sich in den Dienst der Nationalsozialisten. Fortan bestimmten propagandistische Auftragsgemälde von den Reichsparteitagen, den Olympischen Spielen 1936 und vor allem dem Reichsautobahnbau sein Œuvre.

Legendäre Wetterstation – Spurensuche in der Arktis
Eckart Dege, Kiel
Dienstag, 27. Februar 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Unter der Leitung des promovierten Geographen Wilhelm Dege funkte der Wettertrupp „Haudegen“ in den letzten Kriegsmonaten von Spitzbergen aus meteorologische Daten in die Heimat. Als letzte Einheit der deutschen Wehrmacht kapitulierte der Außenposten im September 1945. Sohn Eckart Dege erhielt 40 Jahre später vom norwegischen Verteidigungsmuseum die Einladung zu einer Expedition zu den Überresten der damaligen Station im schwer zugänglichen Nordosten der Inselgruppe. Unweit der Unterkunft fanden sie Ausrüstungs­gegenstände und Wilhem Deges Kriegstagebuch. Eckart Dege berichtet in seinem Vortrag von der spannenden „Schatz­suche“ 1985 und vermittelt ein anschauliches Bild vom Alltag der elf Haudegen in der arktischen Einsamkeit.

Zukunftsperspektiven für die Braunkohle in Deutschland? Eine Positionsbestimmung
Andreas Berkner, Leipzig
Dienstag, 27. März 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Angesichts der Folgen des Klimawandels und der Verpflichtungen im Pariser Abkommen von 2015 wird die Energiegewinnung aus Braunkohle zunehmend kritisch reflektiert. Hat Braunkohle noch eine Zukunft, oder geht das Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu Ende? Wie lässt sich der anstehende Strukturwandel für alle beteiligten Seiten kalkulierbar gestalten? Der Vortrag versucht Antworten auf die fundamentalen Fragen der Energie­politik zu geben und erzählt die Erfolgsgeschichte der Braunkohle­nsanierung. Neue Tagebauseen und Gewässerverbünde, Sport- und Freizeit­angebote oder Naturrefugien prägen heute das „Leipziger Neuseenland“ in einer 1990 noch kaum vorstellbaren Weise. Doch auch hier gibt es ungelöste ökologische und geotechnische Probleme.

Die Türkei: Region und Identität – eine Gesellschaft im Wandel
Ernst Struck, Istanbul/Passau
Dienstag, 24. April 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Mit der jüngsten geopolitischen Entwicklung ist die Türkei zunehmend in den spannungsgeladenen Fokus der europäischen Öffentlichkeit gerückt. Für die meisten Europäer endet ihr Kontinent am Bosporus, der scheinbar eine natürliche Grenze zwischen Kulturen, Völkern und Religionen darstellt. Für den jungen türkischen Nationalstaat war dagegen Europa Vorbild seiner Kulturrevolution. Und nach wie vor ist die Mitgliedschaft in der Europäischen Union offizielles Ziel türkischer Außenpolitik. Mit der jüngsten innen- und außenpolitischen Entwicklung – unter dem Einfluss von Terror, Putsch und Syrienkrieg – hat die Türkei nun einen neuen Weg eingeschlagen, der die geopolitische Rolle des Landes und seine Gesellschaft grundlegend verändern wird.

Wanderungen in der Straße von Hormuz
Die Fischerfamilien von Musandam
Wolfgang Zimmermann, Leipzig
Dienstag, 29. Mai 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die mobilen Fischerfamilien von Musandam, einer Exklave des Sultanats Oman an der Straße von Hormuz. In den 1970er-Jahren lebte noch ein Drittel der damals 15.000 Einwohner vom Fischfang. Ausgehend von jener Zeit, als die Familien saisonal mit dem Boot zwischen ihrem Fischerort und einer Küstenoase wanderten, wird nach dem Heute, vierzig Jahre später, gefragt. Für beide Zeitschnitte untersucht der Vortrag die sozioökonomischen Verhältnisse und illustriert anhand von Karten das Siedlungs- und regionale Mobilitätsverhalten. In den 1970er-Jahren, als Musandam kaum zugänglich war, besuchte Wolfgang Zimmermann den Ort und konnte Fotografien machen, die heute einen unschätzbaren Quellenwert besitzen.

Carl Stangen: Pionier des modernen Tourismus
Fotografien einer Amerikareise 1893
Alina Dittmann, Nysa/Berlin
Donnerstag, 31. Mai 2018, 19 Uhr
Stadtbibliothek, Oberlichtsaal, Wilhelm-Leuschner-Platz
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Vor genau 150 Jahren gründete Carl Stangen 1868 in Berlin ein Reisebüro. Sein Unternehmen entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zum erfolgreichsten Anbieter weltweiter Pauschalreisen. Alina Dittmann, Autorin der ersten Biographie des Tourismus-Pioniers, stellt die interessantesten Ergebnisse ihrer Forschungen vor. Der Vortrag eröffnet eine Ausstellung aus den Anfängen des modernen Fremdenverkehrs. Die Fotografien einer Reise zur Weltausstellung 1893 in Chicago nehmen den Betrachter mit auf eine Fahrt von New York quer durch den nordamerikanischen Kontinent bis nach San Francisco. So faszinierend die Neue Welt damals auf die Touristen gewirkt haben mag, so unwiderstehlich ziehen die ausgestellten Fotos den Besucher heute in ihren Bann.

Von der Cholera bis zu Antibiotikaresistenzen:
Eine geo(karto-)graphische Zeitreise
Holger Scharlach, Hannover
Dienstag, 26. Juni 2018, 19 Uhr (gemeinsam mit DGfK, Sektion Halle-Leipzig)
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Raumbezogene Fragestellungen haben in der Medizin beziehungsweise im Gesundheitswesen seit Hippokrates eine lange Tradition. Stand zunächst die Krankheitsökologie im Vordergrund, widmete man im 20. Jahrhundert Themen der Versorgungsforschung und der psychischen, sozialen und kulturellen Determinanten von Gesundheit stärkere Aufmerksamkeit. Innerhalb der Geographie hat sich in dieser Zeit die Medizinische Geographie etabliert. Karten wurden und werden sowohl zur Datenanalyse als auch zur Veröffentlichung der Ergebnisse eingesetzt. Ausgehend von der historischen Entwicklung der Geographischen Gesundheitsforschung stellt der Referent aktuelle Themen mit Kartenbeispielen vor und erörtert die Vor- und Nachteile dieser Darstellungsform.

Bunt sind schon die Meere – über die Plastikvermüllung mariner Ökosysteme
Karin Steinecke, Bremen
Dienstag, 24. Juli 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Kunststoffe sind aus unserer modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Aber wo landet all dieses Plastik, wenn es nicht mehr gebraucht wird? Es reichert sich leider in großer Menge besonders in den Meeren an, was eine Reihe teilweise noch nicht abschätzbarer ökologischer Schäden und Risiken mit sich bringt. Besonders problematisch ist das sogenannte Mikroplastik. Die Fragmente im Milli- und Mikrometerbereich entstehen durch Zerkleinerung größerer Kunststoffteile oder gelangen als Kügelchen aus Kosmetikprodukten oder auch als Fasern durch die Haushaltswäsche von synthetischen Textilien in marine Lebensräume. Die Vermüllung der Küsten und Meere beschränkt sich nicht auf die Tropen und Subtropen, auch die Nordsee ist davon betroffen.

Das große Schmelzen: Ostalpengletscher vor dem Verschwinden
Ludwig Braun, München
Dienstag, 2. Oktober 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Seit dem Ende der sogenannten Kleinen Eiszeit um 1850 verlieren die Alpengletscher kontinuierlich an Masse und Fläche, unterbrochen von lediglich zwei schwach ausgeprägten Wachstumsphasen vor 1920 und in den 1960er- und 1970er-Jahren. Der Vortrag diskutiert die möglichen Auslöser des Gletscherrückgangs am Beispiel des Vernagtferners in den Ötztaler Alpen. Ab 2020 ist mit einem drastischen Abflussrückgang in den ehemals stark vergletscherten Gebirgstälern zu rechnen. Auf die Wasserführung der großen Flüsse wird die Gletscherschmelze kaum Auswirkungen haben, denn das umliegende Tiefland liegt in einer humiden Klimazone, in der die Abflussbildung auch weiterhin primär vom Regen und von der Schneeschmelze gesteuert wird.

Wissen wo‘s herkommt: eine Voraussetzung für gutes Essen?
Ulrich Ermann, Graz
Dienstag, 30. Oktober 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Ob ein Nahrungsmittel im moralischen Sinn „gut“ ist, wird häufig mit seiner Herkunft in Verbindung gebracht. Kritische Konsumenten legen Wert darauf zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen. Doch was bedeutet das konkret? Was hat die Herkunft mit der Qualität und mit der moralischen Bewertung zu tun? Was ist eine „gute“ und was eine „schlechte“ Herkunft? Und wird die vielfach eingeforderte Transparenz tatsächlich erzielt? Der Vortrag geht diesen Fragen am Beispiel von Fleisch- und Wurstwaren aus deutschen und öster­reichischen Supermärkten auf den Grund. Darüber hinaus diskutiert Ulrich Ermann grundsätzliche, ethische Fragen zum Mensch-Tier-Verhältnis sowie zum Massenkonsum und der industriellen Massenproduktion.

Globaler Wettbewerb: Südamerikas Weinregionen im Umbruch
Gerhard Rainer, Eichstätt
Dienstag, 27. November 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Wie kein anderes Agrarprodukt wird Wein mit konkreten, abgrenzbaren Orten (terroir) in Verbindung gebracht. Dabei wird leicht übersehen, dass die Weinwirtschaft mit Beginn der neo­liberalen Ausrichtung der Weltwirtschaft zu einem stark globalisierten Geschäft geworden ist, an dem vor allem Länder der sogenannten Neuen Welt des Weinbaus wie Argentinien und Chile immer stärker partizipieren. Die globalisierte Weinwirtschaft ist heute geprägt von multinationalen Getränkekonzernen, flying wine­makers, (saisonaler) Arbeitsmigration sowie generell einer globalen Markt­konkurrenz. Am Beispiel argentinischer und chilenischer Weinregionen geht Gerhard Rainer der Frage nach, wie sich die Globalisierung der Weinwirtschaft auf der lokalen Ebene auswirkt.

Nordostpassage – legendärer Seeweg zwischen Beringmeer und Barentssee
Steffen Graupner, Jena
Dienstag, 11. Dezember 2018, 19 Uhr
Grassimuseum, Filmsaal, Johannisplatz 5 – 11
Eintritt: 5 Euro, Mitglieder frei

Günstige Verhältnisse von Eisdynamik und Geopolitik ließen vor einem Jahrzehnt den Traum von einer ersten Durchfahrung der Nordostpassage mit einem westlichen Kreuzfahrtschiff entstehen. Nach langer Planung begann im August 2014 das Abenteuer, Beringmeer und Barentssee entlang einer imaginären Linie miteinander zu verbinden und die sibirische Küste des nördlichen Eismeeres zu erkunden. Steffen Graupner, Geophysiker und Bergsteiger, war Teilnehmer der ersten westlichen Fahrt durch die Nordostpassage sowie der vier folgenden. Dabei konnte er die Geschichte des legendären Seewegs seit Adolf Erik Nordenskiölds Durchfahrung 1878 nachvollziehen und Geschichten vor Ort bei Russen, Nenzen, Tschuktschen und Yupik sammeln.

Comments are closed.